DL5BO

Ham Radio, Amateurfunk aus JO43BJ

9700 PTT-Selektor

Einführung

Der Icom 9700 ist ein tolles Gerät. Gemessen an seinem Funktionsumfang und der verwendeten Technologie ist es zudem auch seinen Preis wert. Aber wie heißt es noch so schön, es gibt nichts, was sich nicht noch verbessern ließe.

Bei einigen Dingen fragt man sich tatsächlich, ob bei der Auslegung des Gerätes Funkamateure zugegen waren. So ist es für mich unverständlich, warum ein reines UKW-Gerät mit drei Bändern nur über einen PTT-Ausgang verfügt. Jedes Band hat seinen eigenen Antennenausgang und Multibandendstufen sind, anders als bei der Kurzwelle, eher unüblich.

Ein weiteres Manko, dass aber alle mir bekannten UKW-Allmodegeräte haben, ist der fehlende zweite Antennenanschluss. Für FM und DV z.B. benötigt man in der Regel eine vertikale Antenne, während für SSB oder RTTY meistens eine Antenne mit horizontaler Polarisation verwendet wird.

Natürlich kann man dazu einen externen Umschalter verwenden, aber wenn der bei den Antennen sitzen soll? Mir ginge es aber in erster Linie um Komfort. Wäre doch nett, wenn das von selbst ginge.

Was er kann

Das hier hinterlegte Programm versetzt einen Mikrocontroller in die Lage, anhand von Datenpaketen, die über CI-V übertragen werden, die eingestellte Frequenz und Modulationsart zu bestimmen.

Der Mikrocontroller lauscht passiv auf dem Bus. Er versendet von sich aus keine Kommandos. Das hat den Vorteil, dass die eingestellte CI-V Adresse des Sendeempfängers keine Rolle spielt. Was auch bedeutet, dass es nicht einmal ein IC-9700 sein muss.

Flexibler geht es nicht.

Kommen nun Datenpakete vorbei, die eine Frequenz beinhalten, werden diese ausgewertet und ein Ausgang, der zu den Bändern 2m, 70cm oder 23cm zugeordnet ist, auf HIGH (ca. 5V) gesetzt.

Empfängt der Mikrocontroller ein Datenpaket, dass eine Modulation beinhaltet, die üblicherweise in horizontaler Polarisation verwendet wird, schaltet je ein anderer, dem Band zugeordneter Ausgang auf HIGH. Mit diesem ließe sich z.B. ein Koaxrelais steuern, mit dem dann eine andere Antenne gewählt werden würde.

Die Betriebsarten, die diese zusätzlichen Ausgänge aktivieren, sind:
LSB, USB, AM, CW, R-CW, RTTY, R-RTTY, und PSK.
Die dazugehörigen Kontakte werden im Folgenden ‚SSB‘ gennant.

Um anzuzeigen, welches Band der Mikrocontroller erkannt hat, sind drei weitere Ausgänge für LEDs o.ä. vorgesehen.

Was er nicht kann

Wie eingangs beschrieben, verhält sich der Controller passiv. Er kann daher nicht unterscheiden, ob das Datenpaket vom Sendeempfänger kommt, oder z.B. zu ihm gesendet wird. Wird also der Sendeempfänger von einer anderen Instanz kommandiert, das Kommando aber verworfen, so kann der Controller das nicht wissen.

Weil er auf das angewiesen ist, was er mithört und dieses verarbeiten muss, kann es vorkommen, dass er mal etwas überhört. Insbesondere dann, wenn Datenpakete eintreffen, während er das letzte noch verarbeitet. Daher auch die vorgesehenen LEDs, denn man sollte ihm nicht blind vertrauen.
Anders wäre es, würde er an den Sendeempfänger rückfragen.

Weil der Controller nicht aktiv abfragt, kann er auch nicht unterscheiden, ob die Frequenz, oder die Modulationsart, im Main oder Sub eingestellt wurde. Daher übernimmt er immer die letzte Änderung.
Sollte jemand eine Idee dazu haben, dann würde ich mich über eine Email freuen.

Was er ebenfalls nicht kann, ist Hellsehen. Das bedeutet, dass der Controller nach dem Einschalten einfach nicht wissen kann, was am Sendeempfänger eingestellt ist. Da er nur lauscht, muss ihm die Information erst zur Verfügung gestellt werden. Sprich, es muss erst eine Änderung von Frequenz und Modulationsart geschehen, damit der Sendeempfänger dies mitteilt.

Benötigte Hardware

Was die Peripherie des Controllers angeht, kann jeder, der weiß wie es geht, es halten wie er mag. Die folgenden Ausführungen stellen daher nur Tipps dar.

Das Programm wurde für einen Arduino Uno R3 kompiliert und wird für diesen als .hex Datei zur Verfügung gestellt. Da die Ausgänge des Arduino nicht sehr belastbar sind, wird eine Relaiskarte benötigt mit wenigstens sechs Ausgängen.
Diese sind nicht dazu gedacht, die PTT direkt zu schalten, sondern um das PTT-Signal an die richtige Stelle durch zu leiten.

Zusätzlich, zu den drei LEDs und deren Vorwiderständen, wird noch ein 4,7 kOhm Widerstand benötigt.

Wie letztlich der exakte Aufbau aussieht, entscheidet jeder nach seien eigenen Wünschen.
Deshalb soll dies hier auch keine Baumappe darstellen.

Ein 3,5 mm Klinkensteckerkabel aus der Bastelkiste, möglichst in Mono, wird auch noch benötigt.

Installation des Programms

Als erstes wird der Arduino über USB an den Rechner angeschlossen.

Das Programm liegt als .hex Datei vor. Diese lässt sich z.B. mit dem frei erhältlichen Programm XLoader in den Arduino schreiben.

Startet man dieses, wählt man unter „Hex file“ die Programmdatei aus. Unter „Device“ wird in der Regel „Uno (ATmega328) ausgewählt werden müssen. Der COM-Port ist individuell und lässt sich unter Windows im Gerätemanager feststellen. Die „Baud Rate“ belässt man auf 115200.

Zum Schluss klickt man auf „Upload“. Ist alles gutgegangen, blinken die RX und TX LEDs auf dem Arduino und das XLoader meldet „xyz bytes uploaded“.

Das war es auch schon.

Verwendete Anschlüsse

Das CI-V Signal wird an Pin 2 eingespeist. Dabei wird das Signal an der Spitze des 3,5 mm Klinkensteckers, der in die CI-V-Buchse des Sendeempfängers gesteckt wird, abgegriffen und über den in Reihe liegenden 4,7 kOhm Widerstand dem Pin 2 zugeführt. Der hintere Steckerkontakt wird mit GND verbunden.

Folgende Tabelle gibt einen Überblick, über die weiteren verwendeten Kontakte.

Signal Pin
PTT-Ausgang 2m 13
Schaltausgang 2m SSB 12
PTT-Ausgang 70cm 11
Schaltausgang 70cm SSB 10
PTT-Ausgang 23cm 9
Schaltausgang 23cm SSB 8
LED-Ausgang 2m 7
LED-Ausgang 70cm 6
LED-Ausgang 23cm 5

Die Ausgänge 8 bis 13 werden mit den Eingängen der Relaiskarte verbunden. Da die Signale HIGH-aktiv sind, sollte das an der Relaiskarte wenn möglich mit den Jumpern eingestellt werden, da die Relais sonst bei Inaktivität angezogen sind.

Sofern die LEDs nicht zu stromhungrig sind, können diese direkt mittels Vorwiderstand zwischen dem jeweiligen Anschluss-Pin und GND angeschlossen werden.

Der vom Sendeempfänger kommende PTT-Ausgang sollte mit allen Mittelkontakten der PTT-Ausgangsrelais geklemmt werden, während die Schließerkontakte (NO) die jeweiligen Ausgänge darstellen.

Einstellungen am Sendeempfänger

Damit der Controller die Datenpakete erhält und auch lesen kann, müssen zwei Dinge am Sendeempfänger eingestellt werden.
Zum einen muss die Funktion ‚Transceive‘ aktiviert sein. Zum anderen muss die Datenrate auf 9600 Baud eingestellt sein. Wenn der Controller nicht reagiert, sollten diese Dinge als erstes überprüft werden.

Verwendung

Nach dem Anschließen ist weiter nichts zu beachten oder zu tun. Der Selektor sollte alles weitere allein erledigen. Als kleine akustische Rückmeldung der Betriebsbereitschaft werden nach dem Einschalten die Relais einmal der Reihe nach an und ab geschaltet.

Ich wünsche viel Spaß beim basteln und viel Vergnügen mit dem PTT-Selektor.

Über Rückmeldungen und Anregungen würde ich mich sehr freuen.

vy 73 de
Gunnar

 

 

To-Do
  • Abfrage ob TRX ein 9700 ist
  • aktives Auslesen von Frequenz und Betriebsart als Option
  • Beibehalten des SSB Status für ein Band bei Bandwechsel

 

 

Historie
Datum Version Änderung
20.02.2021 V0.9 Erste veröffentlichte Version.
     
     
     

Fail-Safe von Punkt zu Punkt

Das geht nur mit Funk.
Ohne dem Staat, Providern oder Hackern ausgeliefert zu sein.

  • Direkt von Punkt zu Punkt
  • Keine Zwischinstanz
  • Kein zentrales Abschalten
  • Keine Abhängigkeit
  • Grenzenlose Kommunikation
  • Mit modernsten Mitteln
  • Oder ganz einfach

Frei kommunizieren, statt fremdgesteuert.

Know how, know why, know better!


Amateurfunk

Das ist mehr als nur das sprechen ins Mikrophon. Im Gegenteil. Vielmehr ist es ein Ergebnis aus dem Zusammenspiel vieler Disziplinen, die gemeistert wurden. Will man zudem noch gehört werden, geht das Spiel weiter.

Technik

Die Grundlage von allem beim Amateurfunk. Ohne die Technik geht einfach nichts. Will man auch in Wettbewerben erfolgreich sein, oder beim DXen, muss man seine Möglichkeiten bestmöglich ausloten. Dazu muss man sie verstehen.

Ausbildung

Alles stirbt ohne Nachwuchs. Auch der Amateurfunk. Daher ist die Ausbildung von neuen Funkamateuren nichts anderes, als ein Akt der Selbsterhaltung. Hierbei vollzieht sich der Wandel vom Anwender der Technik zu dessen Beherrschung. Was sich nicht auf Funktechnik beschränkt.

Selbstbau

Wenn man die Technik verstanden hat, ist der Selbstbau das Maß der Dinge. Dabei geht es nicht um höher, schneller, weiter, sondern darum, technische Probleme zu analysieren, deren Lösung zu durchdenken und sie dann umzusetzen. Passgenau. Kaufen kann jeder.